Der Verband Kinder- und Jugendarbeit

Kinder und Jugendliche haben Rechte

Liebe Leserinnen und Leser!

Kinder und Jugendliche haben Rechte. Selbstverständlich? Ausreichend? Umfassend greifend? Klar genug für ihre erwachsene Umgebung? Offenbar nicht. Dass die Rechte junger Menschen nicht oft genug in Erinnerung gerufen und hinsichtlich ihrer Reichweite überprüft werden können, das wird schon allein anhand zweier gleichzeitig stattfindender Entwicklungen deutlich, auf die wir im FORUM schon seit mehreren Ausgaben hinweisen:
Erstens werden Kinder und Jugendliche notorisch schlecht geschrieben und gelten als Bedrohung für überforderte Eltern und PädagogInnen. Sie werden in Medien und öffentlichen Diskussionen als eine schlimme Gefahr für unsere Gesellschaft dargestellt, vor der man sich mit möglichst harten Bandagen schützen muss. Dass „abweichendes“ Verhalten junger Menschen aber auch als Antwort auf Lebensbedingungen verstanden werden und mitunter – zumindest unter den Gesichtspunkten von Kreativität und Originalität – auch als kompetent gelten kann, das wird selten in die Debatte einbezogen. Auch nicht, dass hilflose Strafen wie Wegsperren und Zwangspädagogik sogar das Gegenteil der erwünschten Läuterung bewirken können. Wie steht es hier mit den Rechten junger Menschen? Auf fördernde und förderliche Lebensbedingungen? Auf Wahrnehmung, Würdigung und Achtung der Person? Auf Mitbestimmung? Auf Zukunft?
Die zweite Entwicklung betrifft den Kinderschutz, der in seiner Umsetzung Gefahr läuft, in eine individualistische und defizitorientierte Schieflage zu geraten, statt politische, soziale, ökonomische u.a Bedingungen einzubeziehen und lebenswelt- sowie ressourcenorientiert wirksam zu werden. Nach welchen Kriterien wird beurteilt, was gut für Kinder ist? Wie selbstverständlich werden Kindern ihre Grund- und Menschenrechte zugestanden? Wo bleibt z.B. das Bleiberecht für Kinder nicht deutscher Eltern? Wie werden der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen förderliche ökonomische und soziale Bedingungen geschaffen?
Kinder und Jugendliche haben Rechte. Diese zu vertreten, zu verdeutlichen und zu gewährleisten, das ist eine wichtige Aufgabe und Herausforderung für die Kinder- und Jugendarbeit – sowohl im Einzelfall als auch politisch-strukturell.

In diesem FORUM erinnert Manfred Kappeler zunächst an jugendhilfepolitisch wichtige Ergebnisse der Enquete-Kommission zur Jugendkriminalität (2001). Manuel Essberger plädiert für einen Kinderschutz, der sozial-strukturelle Faktoren einbezieht und lebenswelt- sowie ressourcenorientiert umgesetzt wird. Am Beispiel von literarischen Berühmtheiten wie Huckleberry Finn und Pippi Langstrumpf gibt Eckhard Schiffer dann Hinweise zur wirksamen Unterstützung der Gesundheit und Bildung von Kindern. Pippi Langstrumpfs Wohl ist das Anliegen unterschiedlicher ExpertInnen, die im nächsten Beitrag erörtern, ob Pippi L. ein Fall für den Kinderschutz ist. Weiter geht es mit Melanie Heyns und den Kinderrechten auf einem Bauspielplatz sowie mit Peter Schilsky und Stefan Strauch, die auf Menschenrechtsverletzungen in Vergangenheit und Gegenwart hinweisen. Es folgen Neuigkeiten und Berichte rund um die Kampagne Entschlossen OFFEN; darunter auch der Entwurf für eine Standortbestimmung der Offenen Arbeit, Statements zum besonderen Wert des Arbeitsfeldes und ein Kommentar zu einem Verfahren im Jugendhilfeausschuss Mitte: der Kündigung und Neuvergabe der Trägerschaft für das Stadtteilprojekt Sonnenland.
Außerdem im FORUM: die Wohnumwelt und die Familie aus Kindersicht, ein Plädoyer für die interkulturelle Schule und Hinweise auf interessante Veröffentlichungen, die sich teilweise auch als Beachclub-Lektüre eignen.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen angenehmen und anregenden Sommer.
Manuel Essberger und Maria Kalde